


21.juni 2003 DEMONSTRATION - 21.juni 2003 - 18 uhr - lausitzer platz - berlin
ob freier zugang zu häusern und plätzen, wo wir leben, oder gleiche rechte für migrantInnen oder zugang zu kostenloser bildung für alle oder, oder, oder...- es wird uns nichts geschenkt, dafür müssen wir kämpfen! dafür wollen wir auf die straße gehen. wir werden es nicht hinnehmen, dass linke projekte und strukturen angegriffen und zerstört werden. wir werden neue, unkontrollierte FreiRäume schaffen! wir wollen ein leben ohne herrschaft und unterdrückung für alle! basta ya!
aussnahmezustand
wie ihr sicherlich schon erfahren habt, ist am 7. mai und am 12. mai das autonome hausprojekt rigaer94 in berlin-friedrichshain teilgeräumt worden. mühevoll errichtete barrikaden wurden ebenso zertrümmert wie kachelöfen, dielen, wände und der veranstaltungsort kadterschmiede im erdgeschoss. ab dem 12. mai übernahm ein privater sicherheitsdienst die kontrolle über den zugang zum haus. unsympathische männer patrouillieren durchs treppenhaus, es werden hausverbote erteilt, eine dicke gittertür am eingang versperrt nutzerInnen, bewohnerInnen und besucherInnen den weg. das projekt an diesem ort ist erheblich angeschlagen; allein weil das fehlt, was ein autonomes hausprojekt mindestens braucht: unkontrollierte räume - und der freie zugang.
normalzustand
der konflikt um die rigaer94 und der umgang damit ist ein beispiel. nicht nur in diesem konflikt werden gesellschaftliche probleme als individuelle/private, oder aber, speziell von seiten der politisch verantwortlichen, als rein zivilrechtliche probleme dargestellt. "du bist deines glückes Schmid - oder hast den falschen anwalt. selber schuld." gesellschaftliche konflikte werden an "privatpersonen", gerichte, polizei und wachschutz delegiert, und damit entpolitisiert. es geht um mehr! unter den bestehenden gesellschaftlichen verhältnissen ist es durchaus keine sensation, dass es so und nicht anders läuft, unter den bestehenden gesellschaftlichen verhältnissen ist es beschissene normalität, dass menschen eben keinen freien zugang haben zu dingen und räumen, die sie brauchen.
kein freier zugang
menschen, die hierher kommen wollen, wird der freie zugang zum "wirtschaftsstandort deutschland" verweigert oder nur unter der bedingung der ökonomischen verwertbarkeit gewährt. migrantInnen und flüchtlinge in deutschland dürfen nicht frei entscheiden, wann sie wohin gehen, was sie einkaufen, essen, wo sie schlafen und sich treffen. der freie zugang zu öffentlichen plätzen und räumen ist auch abhängig von der augenscheinlichen konsumfähigkeit der betreffenden menschen. der zugriff auf gesellschaftliche ressourcen ist abhängig von konstrukten wie "geschlecht" und "ethnizität" sowie der sozialen herkunft. ohne ausgrenzung, kontrolle und überwachung ist die herrschende politik nicht denkbar. unser ziel und anspruch war, ist und bleibt insofern nicht deren reform, sondern deren überwindung: für freien zugang - alles für alle!
räume öffnen!
linke projekte können FreiRäume sein. viele von ihnen sind bedroht oder gar in letzter zeit so massiv angegriffen worden, dass sie kaputtgehen, wenn nicht bald was passiert. die bewohnerInnen von platz B - ein wagenplatz ohne platz - stehen auf der strasse; in der liebig14 müssen die bewohnerInnen wegen steigender mieten ausziehen, wenn die sozialverträgliche sanierung erfolgt ist; in der rigaer94 wird wie beschrieben die wohnstruktur systematisch zerschlagen; die duldungen für die wagenplätze wie convoi ist zeitlich begrenzt und, und, und...
ihr kennt die repressionen, die juristischen oder politischen entscheidungen, den finanziellen druck oder die einfache zermürbung durch gesellschaftliche zustände, welche linke projekte und strukturen tagtäglich zerrupfen. diese projekte wurden als FreiRäume erkämpft. wir wollen sie verteidigen und mit inhalt füllen. sie sollen nutzbar sein für menschen, denen in dieser gesellschaft die daseinsberechtigung abgesprochen wird, sie sind wichtig für die, die eine andere vorstellung von gesellschaft haben, die für ein herrschaftsfreies leben einstehen.
when we're good, we're very good - but when we're bad, we're better
wir denken, die schaffung von FreiRäumen, die sich der gesellschaftlichen normalität widersetzen, die ein anderes leben denkbar und in ansätzen möglich machen, ist unerlässlich. wir wollen diese orte als soziale basis für widerstand, nicht als "schutzburg vor der bösen gesellschaft". unser widerstand beschränkt sich nicht auf sogenannte kampftage. er muss im alltag sichtbar werden: als widerstand gegen schliessungen sozialer oder kultureller einrichtungen, studiengebühren, arbeitszwang und andere anmassungen des rotroten senats von berlin - oder aber als direkte aneignung. nehmen wir uns, was wir brauchen - entern wir berlin!
wir sind nicht expertInnenkommision XY mit verbesserungsvorschlag 3172. wir hoffen nicht auf bessere zeiten, wir schaffen sie uns. dies ist demzufolge kein appell an die sogenannten verantwortlichen, sondern ein aufruf zum handeln. werden wir aktiv!
demo, samstag, 21.6., 18.00 uhr, lausitzer platz, kreuzberg, berlin
solidarität mit der rigaer94, der liebig14,dem schwarzen kanal und den anderen bedrohten projekten!
für freien zugang - bekämpfen wir den normalzustand!
entwickelt widerstand gegen ausgrenzung, sozialabbau, kontrolle und überwachung!
für unkontrollierbare bewegungen hier und überall!
PiRat berlin, mai 2003
der PiRat ist ein zusammenschluss linker initiativen und projekte berlins. der arbeitsschwerpunkt ist der aufbau und erhalt linker, kollektiver strukturen. das offene plenum ist jeden donnerstag um 19 uhr im infoladen daneben - liebigstr. 34, friedrichshain (U5 frankfurter allee). kommt vorbei!
c/o infoladen daneben
liebigstr. 34
10247 berlin
https://squat.net/pirat
pirat@squat.net
fax und AB 01212-5-529-62-801
vertreterInnen von anti atomplenum berlin, brunnenstraße 6/7, initiative gegen das chipkartensystem, convoi, drugstore, kadterschmiede, köpi, laster & hänger, liebig 14, liebig 34, platz B, platz da, rigaer 94, sama café, schwarzer kanal, villa kunterbunt und einzelpersonen
mehr infos gibt's unter:
www.squat.net/pirat/

