


21.november 1992/2003 11. Todestag - berlin: demo, mahnwache und antifa-soli
+ Silvio Meier
Treptower Antifa Gruppe Berlin, 30. Oktober 2003
Antifa heißt Angriff!
keine Kneipen für Nazis!
Demo: 22.11.2003 - 15h - U-Bahnhof Frankfurter Tor
Mahnwache: 21.11.2003 - 17h - U-Bhf Samariter Straße
Antifa Soliparty: 21.11.2003 - 21h - Tommy Weissbecker Haus - Cable Street Beat Soundsystem [Ska, Punk, Roots- Reggae, Oi!] - SUPER U [all times favourites]
Auch in diesem Jahr findet in Friedrichshain wieder die Silvio-Meier Demo statt
Zum elften Mal jährt sich am 21. November 2003 der Todestag von Silvio Meier. Der Hausbesetzer aus Friedrichshain wurde 1992 von Neonazis auf dem U-Bahnhof Samariterstrasse ermordet. Seitdem findet in Friedrichshain jedes Jahr eine antifaschistische Demonstration zur Erinnerung an Silvio Meier statt. Neben dem Gedenken soll gleichzeitig gegen rechte Ideologie und für eine linke Jugendkultur demonstriert werden.
Aus gegebenem Anlass wollen wir unser Hauptaugenmerk auf die "BFC- Fanclubkneipe" an der Scheffelstr/Alfred-Jungstr. in Lichtenberg legen. Das sogenannte Berliner Fußballcafe wird von Andre Sommer betrieben, der unter anderem auch der Chef des Klamottenladens "Kategorie C" und Mitglied der Hells Angels ist. Nazikader wie Oliver Schweigert gehen im BF Cafe ein und aus. Bei einer Razzia im Oktober 2003 wurde im integrierten Tattoostudio eine Tätowiervorlage in Form eines Hakenkreuzes gefunden. Anlässlich einer Feier zum "Tag der Germanen" (03. Oktober) versammelten sich ca. 80 Personen im Berliner Fußballcafe. Anwesend waren nicht nur Fußballfans, Hooligans und deren Familien, sondern auch ein ganzer Haufen stadtbekannter Neonazis. In der ungezwungenen Kneipenatmosphäre findet scheinbar ein reger Austausch zwischen Vertretern der rechten Subkultur und organisierten Neonazis statt.
Deutsche Idylle in Lichtenberg...
...und wie sieht's aus im "linken" Friedrichshain??
In dem Szenebezirk mit seiner bewegten Geschichte rund um die ehemals besetzten Häuser, ist die Linke nicht erst seit gestern in der Defensive. In den letzten Jahren kam es in Friedrichshain immer wieder zu Naziübergriffe. Hier nur einige Beispiele:
In der Nacht vom 08. auf den 09.07.2003 wurde eine Gruppe vietnamesischer Jugendlicher aus der in der Pettenkoferstr. gelegenen Kneipe "Frankies Relax Bar" heraus mit Baseballschlägern angegriffen. Die Täter: Vier zwischen 20 und 32 Jahre alte Nazis, die der Polizei unter anderem bereits wegen Volksverhetzung und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole bekannt sind, sind Stammgäste. Oder in der Nacht vom 19. auf den 20.09.2003 gegen 5 Uhr morgens als in der Jessnerstr. ein Punk von mehreren Nazis aus einem Auto heraus angegriffen wurde.
Die linken Strukturen im Kiez sehen sich einer ständigen staatlichen Repression ausgesetzt. Gerade erst im Sommer 2003 wurde die linke Kneipe Kaderschmiede in der Rigaerstrasse 94 und die in dem Haus liegenden besetzten Wohnungen brutal geräumt. Alte Freiräume werden nach und nach zerstört und der Aufbau neuer Anlaufpunkte gestaltet sich äußerst schwierig.
Noch schwieriger sieht die Situation in Lichtenberg aus, wo die Umsetzung des geplanten AJZ (Autonomes Jugendzentrum) von staatlicher Seite massiv behindert wird. Sich hier auf Unterstützung von Seiten der Stadt zu verlassen ist hoffnungslos.
Es ist wichtig sich gegen die zunehmenden Naziaktivitäten im Kiez zu wehren und sich für eine starke linke Jugendkultur einzusetzen.
Für eine Gesellschaft ohne Leistungsdruck, Ausbeutung und Rassismus! Für eine starke linke Jugendkultur!!
Keinen Fußbreit den Faschisten!
Antifaschistische Linke Berlin, 4. November 2003
Silvio Meier-Demo 2003: Antifa heißt Angriff!
Keine Kneipen für Nazis!
Der Mord an Silvio 1992:
Am 21. November 1992 - also vor etwa elf Jahren - wurde der Hausbesetzer und Antifaschist Silvio Meier von Neonazis erstochen. Im U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain trafen er und zwei Freunde auf eine Gruppe von rechtsextremen Jugendlichen. Einer von ihnen trug einen "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein"-Aufnäher. Als Silvio und seine Freunde ihn zur Rede stellten und aufforderten, den Aufnäher abzunehmen, zogen die Nazis Messer und stachen auf die Antifas ein. Der 27-jährige Antifaschist wurde durch mehrere Stiche getötet, zwei seiner Begleiter schwer verletzt. Silvio wurde ermordet, weil er sich gegen Nazis und ihre menschenverachtende Ideologie zur Wehr setzte.
Nur zwei von sieben am Mord beteiligten Nazis wurden darauf zu geringen Haftstrafen verurteilt, die restlichen Mittäter kamen sogar ohne Anklage davon. Am Wochenende von Silvios Tod wurde im niedersächsischen Mölln ein von türkischen MigrantInnen bewohntes Haus von Nazis angezündet, wobei vier Menschen den Tod fanden. Rechtsextreme und rassistische Gewalttaten erreichten im Jahr 1992 ihren Höhepunkt und halten sich seitdem auf hohem Niveau in der gesamten Bundesrepublik. Demonstration zum Gedenken an Silvio Meier.
Seit nunmehr 11 Jahren erinnern wir mit einer Demonstration an Silvio. Wir tun dies aber nicht, um ihn als "Helden" zu verehren. Sondern wir nehmen seinen Todestag zum Anlass, um auf die gesellschaftliche Hintergründe des Neofaschismus und Nazi-Strukturen in Friedrichshain und Lichtenberg aufmerksam zu machen. Wir wollen klarmachen, dass antifaschistische Arbeit gegen Nazis und ihre Ideologie, gegen ihre Kneipen und Strukturen auch heute noch aktuell ist, aber auch eine umfassende Auseinandersetzung mit der allgemeinen gesellschaftlichen Rechtsentwicklung notwendig ist.
Rechte Politikmuster und die ihnen zugrunde liegenden Wertvorstellungen, Menschenbilder und Gesellschaftsideale prägen schließlich den Alltag in dieser Gesellschaft. Das heißt natürlich nicht gleich, dass alle hier Nazis sind, allerdings bestimmt rechte Ideologie die Vorzeichen, unter denen politische Lösungskonzepte für bestehende Probleme überhaupt diskutiert werden dürfen.
Der globalisierte Kapitalismus mit seinen rücksichtslosen Selektionsmechanismen präsentiert sich als alternativloses Gesellschaftsmodell und strukturiert sämtliche soziale Beziehungen sowie das politische Denken und Handeln der meisten Menschen in diesem Land. Die bestehenden ungerechten Verhältnisse werden somit von großen Teilen der Gesellschaft als naturgegeben und unveränderlich angesehen. Gleichzeitig wird jungen Menschen in der Schule, der Uni, den Medien oder sogar von den Eltern vermittelt, dass es einzig und allein wichtig sei, zu den gesellschaftlichen Gewinnern zu gehören, Erfolg zu haben und sich im Konkurrenzkampf gegen Andere durchzusetzen. Doch diese geforderten Prinzipien für sich zu übernehmen, bedeutet immer auch, autoritäre, sozial ungerechte, ausgrenzende und unsolidarische Einstellungen im Alltag zu praktizieren. Buckeln nach oben und treten nach unten ist somit ein gesellschaftlich anerkanntes und legitimiertes Prinzip, dass Nazis letztlich nur besonders konsequent umsetzen, wenn sie auf MigrantInnen, Obdachlose, Linke, Homosexuelle, Behinderte und alle anderen, die diesen rechten Ansprüchen nicht genügen (können), einschlagen. In diesen harten Zeiten heißt linke Politik für uns als aller erstes, einerseits konkrete Aktionen gegen Nazis zu organisieren, den Nazis ihre Räume zu nehmen und andererseits linke Freiräume zu erkämpfen und langfristig zu etablieren.
Kein Bier für Nazis!
Als Teil einer Struktur, die Räume für Neonazis zur Verfügung stellt, machte sich in letzter Zeit besonders der sogenannte BFC-Fanclub einen schlechten Namen. In der Vereinskneipe und dem angrenzenden Tattoostudio in der Lichtenberger Scheffelstraße treffen sich regelmäßig organisierte jugendliche Neonazis und ihre SympathisantInnen. So auch am 3. Oktober 2003, als dort 40 Hools und Nazis den sogenannten Tag der Germanen feierten. Die Einladungen zur Nazi-Fete waren in altdeutscher Schrift geschrieben, jemand trug sogar Zeichen einer SS-Einheit und später wurden auch noch weitere, den Nationalsozialismus verherrlichende Gegenstände gezeigt.
Mehrere Kneipen und Klamottenläden, die als Treffpunkte für Nazis dienen, stehen im direkten Zusammenhang mit konkreten Übergriffen gegen MigrantInnen und VertreterInnen anderer Jugendkulturen oder auch einfach nur Nicht-Rechte. So wurden selbst im vermeintlich linken Friedrichshain in diesem Jahr schon eine Gruppe von VietnamesInnen aus der Kneipe "Frank´s Relaxbar" (Pettenkofer Straße) heraus brutal angegriffen und ein Punk von Nazis in der Jessner Straße zusammen geschlagen. Wir fordern von den Kneipenwirten im Kiez: Kein Bier mehr für Nazis! Denn wer seine Räumlichkeiten Neofaschisten zur Verfügung stellt, trägt Mitverantwortung für die erstarkende Gewalt von rechts. Extremisten der Mitte...
Nationalistisches, rechtsextremes und rassistisches Denken ist nicht nur bei "orientierungslosen", schlecht gebildeten oder arbeitslosen Jugendlichen zu finden, wie man uns oftmals einreden will. Es sind auch keine Erscheinungen, die vom Rand der Gesellschaft kommen, sondern direkt aus ihrer Mitte. Die Parolen, die Nazis auf ihren Aufmärschen brüllen, sind deshalb nur eine extremere Form von dem, was die "bürgerliche Mitte" und etablierte Parteien im Kopf haben. Diesen brutalen Rechtsextremismus der Stiefelnazis von NPD und Freien Kameradschaften lehnt zwar der gesellschaftliche Mainstream ab, ohne sich allerdings die vorhandenen geistigen Parallelen vor Augen zu führen. Würde doch eine konsequente Auseinandersetzung mit den Ursachen des Rechtsextremismus, die gesamten Grundsätze der hier herrschenden kapitalistischen Ordnung in Frage stellen. Nazis selber fühlen sich nicht ohne Grund immer häufiger als "gewalttätiger Arm des Stammtisches". Während staatliche Institutionen einem Obdachlosen die Sozialhilfe entziehen, wird er von Neonazis als "nicht wertvoll für die Volksgemeinschaft" betrachtet und im Extremfall ermordet. Während AsylbewerberInnen von Staat und Polizei in Abschiebehaft genommen, erniedrigt und danach in Elend und Tod geschickt werden, trauen sich MigrantInnen in vielen Orten aus Angst vor rechten Übergriffen nicht einmal mehr aus dem Haus.
Somit greifen organisierter Neofaschismus sowie staatliche und gesellschaftliche Denk- und Handlungsmuster eng ineinander. Alles und jeder wird ausschließlich nur noch nach seiner Leistung beurteilt, die im Wettbewerb mithalten muss. Da bleibt wenig Platz für eigenständiges Denken und für eine freie Entwicklung des Individuums. Nicht zuletzt wird beim Überdecken von sozialen Problemen von der Politik á la CDU, FDP und SPD mit Nationalismus und Wohlstandschauvinismus Politik gemacht. Nicht ohne Grund fallen auch soziale und politische Ausgrenzung mit dem radikalen Abbau des Sozialstaates und dem Verlust von Grundrechten zusammen. Für uns ist deshalb klar, dass es nicht ausreichen kann, gegen faschistische Strukturen zu kämpfen. Wir müssen genauso gegen die Verwertungslogik im Kapitalismus vorgehen. Leute, die sich weigern auf eine wirtschaftliche Größe reduziert zu werden und eben nicht jede Arbeit für wenig Lohn annehmen, machen es im täglichen Leben vor und verdienen Respekt! Wir haben deshalb auch keinen Bock darauf, die LeistungsträgerInnen für eine ungerechte Gesellschaft zu spielen und uns bereits in der Schule durch Noten in "gute" und "schlechte" SchülerInnen einteilen zu lassen!
Antifaschistische und linke Freiräume erkämpfen!
Um unsere Vorstellungen von einem herrschaftsfreien und selbstbestimmten Leben verwirklichen und ausprobieren zu können, brauchen wir vor allem Freiräume. Das können besetzte Häuser sein oder selbstverwaltete Jugendzentren wie das "SVJZ-Projekt" in Lichtenberg. Hier sollen sich Linke ohne Zwang und Leistungsdruck treffen und diskutieren können, Partys feiern und dabei Spaß haben. Weil wir aber nicht nur gegen Nazis vorgehen, sondern auch den Staat kritisieren, können wir von denen da oben wenig Unterstützung erwarten. Deshalb müssen wir für unsere alten und neuen Freiräume kämpfen, um neue Formen eines selbstbestimmten Lebens umsetzen zu können.
Das "Berliner-Fussball-Café"
Die Demo führt an der sogenannten BFC-Fanclubkneipe Scheffelstraße / Ecke Alfed-Jung-Straße in Lichtenberg vorbei. In dieser Kneipe treffen sich sowohl rechte Hooligans als auch organisierte Kader, wie zum Beispiel Oliver Schweigert. Oliver Schweigert ist eine zentrale Figur für die Organisation und Vernetzung von gewalttätigen Neonazi-Gruppen aus dem Spektrum der sogenannten Freien Kameradschaften. Am 03.10.2003 feierten im BFC ca. 50 Personen den sogenannten Tag der Germanen. Die Kneipe stellt also derzeit einen dauerhaften Treffpunkt der Berliner Neonazi-Szene dar.
Antifaschistisches Gedenken
Die Demonstration führt auch am Loeperplatz in Lichtenberg vorbei. Dort steht das erste Denkmal, das der Bezirk Lichtenberg seinen von den Nazis zwischen 1933 und 1945 verfolgten antifaschistischen Widerstandskämpfern gewidmet hat. Im Nationalsozialismus wohnten in Lichtenberg zahlreiche antifaschistische Widerstandskämpfer; von ihnen wurden viele im Konzentrationslager umgebracht. An alle in der Nazi-Zeit verfolgten AntifaschistInnen möchten wir mit einer Kranzniederlegung bei der Demo erinnern.
Für eine Gesellschaft ohne Leistungsdruck, Ausbeutung und Rassismus!
Für eine starke linke Jugendkultur!
Keinen Fußbreit den Faschisten!
Mahnwache: 17 Uhr am U-Bhf. Samariterstraße
Soli-Party: 21 Uhr im Tommy-Weissbecker-Haus
22.11.2003
Silvio-Meier-Demo: 15 Uhr am U-Bahnhof Frankfurter Tor
(linkeseite.de)![]()
(stressfaktor.squat.net)

