


5.-10.januar 2004 hungerstreik-aktionstage
der angehörigen von politischen gefangenen aus dem baskenland - berlin
in berlin ist die anlaufstelle des hungerstreiks der angehörigen das thomas-weissbecker-haus. mit dem hungerstreik und begleitenden aktionen - film, veranstaltungen, kundgebung, soli-party usw. - soll auf die situation der baskischen gefangenen aufmerksam gemacht und deren freiheit gefordert werden:
Termine in Berlin
Montag, 5. Januar - Start der Aktionswoche, Ankunft der Angehörigen in Berlin im TWH, Wilhelmstr. 9
Dienstag, 6. Januar - Auftakt-Veranstaltung mit den Angehörigen zur Situation der Gefangenen, Repression in Spanien und zum Hungerstreik, mit Film, 19 Uhr, Ort: [klick hier]
Donnerstag, 8. Januar - ab 19h Film ("Der Stille Tod") und Veranstaltung von den Angehörigen und dem Solibündnis, Ort: Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, U-Bhf. Mehringdamm
Freitag, 9. Januar - 15 Uhr, Hackescher Markt (Nähe S-Bhf. Hackescher Markt) Kundgebung der Angehörigen der baskischen politischen Gefangenen
Samstag, 10. Januar - auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2004 wird eine Delegation der Hungerstreikenden über die Situation der baskischen Gefangenen informieren und Informationsmaterial zur Verfügung stellen
Sonntag, 11. Januar - 10h, Frankurter Tor, LL-Demonstration, im linksradikalen Block für Internationale Solidarität - auf dem Friedhofsvorplatz wird es auch einen Stand geben, an dem umfangreiches Informationsmaterial aus dem und über das Baskenland - teils in deutsch und englisch - bezogen werden kann, um sich über die Situation der Gefangenen zu informieren.
Freiheit für die baskischen politischen Gefangenen!
EUROPAWEITE HUNGERSTREIK-AKTIONSTAGE
VON ANGEHÖRIGEN DER GEFANGENEN
AUS DEM BASKENLAND: 5.-10. JANUAR 2004
Euskal Herria - Baskenland: vier Provinzen auf der spanischen und drei auf der französischen Seite. Seit Jahrzehnten kämpfen die Menschen dort für ihr Selbstbestimmungsrecht. Und seit Jahrzehnten wird ihre Forderung mit Repression, Verfolgung und Folter beantwortet.
Nahezu alle ihre Organisationen sind mittlerweile mit dem Vorwurf, Bestandteil von ETA zu sein, verboten worden. Die baskische Partei "Batasuna" wurde Mitte letzten Jahres illegalisiert und letztendlich im März 2003 verboten. Die Jugendorganisation "Segi" und die Gefangenenhilfsorganisationen "Askatasuna" und "Gestoras pro Amnistía", die 25 Jahre lang Gefangenen und ihren Angehörigen praktisch und finanziell unter die Arme griff, wurden verboten.
Im Februar 2003 wurde die einzige komplett baskischsprachige Tageszeitung "Euskaldunon Egunkaria" geschlossen. Letztes Beispiel der
Verbotswelle war die Annullierung vieler Wahllisten, die wegen des Verbotes von Batasuna zu den Regional- und Kommunalwahlen angetreten waren. Immerhin vertrat Batasuna fast 20 % der baskischen Bevölkerung. Vor, während und nach den Verboten wurden Mitglieder der verschiedenen Organisationen verhaftet und meist unter Folter verhört. Einige von ihnen sitzen immer noch im Gefängnis.
Heute gibt es mehr baskische politische Gefangene als während der Franco-Diktatur. Fast 700 politische Gefangene sitzen im Moment, verstreut über ganz Spanien und Frankreich, in den Gefängnissen. Die Zerstreuung der Gefangenen, seit 1978 eine Praxis, um sie voneinander zu isolieren, betrifft auch deren Angehörigen. Jedes Wochenende müssen sie Hunderte Kilometer fahren, um die Gefangenen zu besuchen. In den letzten Jahren kamen allein bei Autounfällen 13 Angehörige auf spanischen und französischen Straßen ums Leben.
Auch europäische Staaten beteiligen sich an der Repression. Frankreich, die Schweiz und die Niederlande lieferten Petra Elser, Gabriele Kanze und Juan Roudrigez Fernández (Juanra) an Spanien aus. Anfang November wurde Paulo Elkoro von Deutschland ausgeliefert. Er hatte noch im September einen vierwöchigen Hungerstreik im Gefängnis München-Stadelheim gegen seine Auslieferung durchgeführt. Alle wurden der Unterstützung der ETA angeklagt, was bisher in keinem der Fälle nachgewiesen werden konnte. Zudem sind die belastenden Aussagen in allen Fällen unter Folter entstanden.
Batasuna, Segi (samt ihrer Vorläufer Jarrai und Haika), Gestoras pro Amnistía, Askatasuna und einige andere Organisationen finden sich auf der Terrorliste der Europäischen Union wieder. Und: nahezu alle Einzelpersonen auf der EU-Terrorliste sind BaskInnen. Die Verfolgung hat mittlerweile mehr als 2000 Menschen ins Exil getrieben.
Nahezu eine gesamte Bewegung ist in die Illegalität getrieben und die Menschen ihrer demokratischen Rechte beraubt. Doch die baskische Unabhängigkeitsbewegung lässt sich davon nicht einschüchtern. Fast jedes Wochenende gehen Zehntausende auf die Straße, um gegen Verbote, Verhaftungen, Folter und für das Selbstbestimmungsrecht zu demonstrieren. Jeden Freitag gehen in den Städten und Dörfern des Baskenlandes die Angehörigen der Gefangenen auf die Straße, um eine Amnestie und die Zusammenlegung der Gefangenen ins Baskenland zu fordern.
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!!!
IN BERLIN: HUNGERSTREIK-AKTIONSTAGE DER ANGEHÖRIGEN AUS DEM BASKENLAND
// 5.-10. JANUAR // THOMAS-WEISSBECKER-HAUS
Dienstag, 6. Januar: Auftakt-Veranstaltung mit den Angehörigen zum Hungerstreik, Repression in Spanien und zur
Situation der Gefangenen, mit Film19h, Ort: siehe www.geocities.com/euskal04
Donerstag, 8. Januar: ab 19h Film, ab 20:30h Veranstaltung mit den Angehörigen und Solibündnis, anschließend Soli-Party, Mehringhof, Gneisenaustr. 2a,
Versammlungsraum, U-Bhf. Mehringdamm
Freitag, 9. Januar: Kundgebung der Angehörigen am Hackeschen Markt, 15 Uhr, nähe S-Bhf. Hackescher Markt
Genaue Infos und weitere Informationen zum Hungerstreik und begleitenden
Veranstaltungen, Kundgebung, Soli-Party und anderen Aktionen im Internet:
www.geocities.com/euskal04 & www.rote-hilfe.de/berlin
UnterstützerInnen: (Stand: 27.12.03) Autonome KommunistInnen, Gegeninformationsbüro, Initiative VOZ de la Nueva Colombia - Alternative Infogruppe, Libertad! Berlin, Red Action KW, Rote Aktion Berlin, Rote Hilfe e.V. OG Berlin
Hungerstreik gegen spanischen Folterstaat:
Mehr baskische Gefangene als unter Franco?
jW fragte Jon Anza, einen ehemaligen politischen Gefangenen aus dem Baskenland
* Jon Anza tritt als Mitglied der Angehörigenorganisation Etxerat ab Montag bis zum 10. Januar in Berlin in einen Hungerstreik
F: Warum treten Sie in einen Hungerstreik?
Um auf die Lage der baskischen politischen Gefangenen hinzuweisen. Auf Initiative der Angehörigenorganisation Etxerat werden mehrere Gruppen bis einschließlich Samstag in Berlin, Barcelona, Brüssel, Genf, Mailand, Kopenhagen und Paris in den Hungerstreik treten. Die Aktion ist eine Reaktion auf den Ausnahmezustand, den der spanische und französische Staat über das Baskenland verhängt hat.
F: Sie saßen 21 Jahre lang in spanischen Gefängnissen ein. Wie haben sich die Haftbedingungen während dieser Zeit entwickelt?
Seit dem Ende der Diktatur waren die Haftbedingungen niemals so extrem wie heute. Immer häufiger wird in den Gefängnissen gefoltert, nicht nur während der Kontaktsperre nach der Verhaftung. Den Inhaftierten wird die baskische Sprache verboten, ein Fernstudium an einer baskischen Uni ist untersagt. Mit der Höchststrafe von 40 Jahren wurde faktisch die lebenslange Haft eingeführt. Besuche und Telefonkontakte, auch zu Anwälten, werden stark eingeschränkt.
F: Wie viele politische Gefangene aus dem Baskenland befinden sich gegenwärtig in Haft?
Aktuell sitzen rund 700 Basken aus politischen Gründen vor allem in spanischen und französischen Gefängnissen, so viele baskische politische Gefangene hat es selbst während der Franco-Diktatur nicht gegeben. Das Baskenland hat weniger Einwohner als Berlin. Nirgends in Europa ist der Anteil der politischen Gefangenen an der Gesamtbevölkerung so hoch wie im Baskenland und weltweit wohl nur in wenigen Fällen. Einige Basken sind auch in Mexiko, England, Portugal und den Niederlanden inhaftiert, weil sie auf unterschiedliche Weise für ihr Selbstbestimmungsrecht gekämpft haben. Die meisten sind in 80 Knästen über das gesamte spanische und französische Staatsgebiet verteilt. In den Gefängnissen werden die Betroffenen voneinander isoliert. Durch die zum Teil gewaltigen Distanzen zum Baskenland müssen auch die Angehörigen erhebliche Strapazen auf sich nehmen, um Kontakt zu halten. Im Durchschnitt müssen diese über 1 500 Kilometer für Besuche zurücklegen, was eine Menge Geld kostet und außerdem sehr gefährlich ist. Mittlerweile sind 14 Angehörige bei Autounfällen ums Leben gekommen und Hunderte wurden zum Teil schwer verletzt.
F: Was ist während der Hungerstreiks in Berlin geplant?
Anlaufpunkt ist das Thomas-Weißbecker-Haus in der Kreuzberger Wilhelmstraße 9. Geplant sind Aktivitäten auf der Straße und Treffen mit Vertretern der Presse, politischer Institutionen und Initiativen. Es geht darum, die Beziehungen zu Unterstützern und Interessierten zu vertiefen und neue aufzubauen. Wir laden alle ein, sich über die Lage im Baskenland zu informieren und auszutauschen.
Kundgebung von baskischen Angehörigen
von bündnis euskal herria
Heute, am 6. Januar demonstrierten die 25 baskischen Angehörigen, die seit gestern in Berlin einen Hungerstreik für die Freiheit der baskischen Gefangenen führen, und weitere UnterstützerInnen in Kreuzberg am Kottbusser Tor und Heinrichsplatz. Flugblätter mit Information über das Knastsystem in Spanien/Frankreich wurden verteilt und gefordert, die baskischen Gefangenen nach Baskenland zu verlegen.
Die Kundgebungen der baskischen Angehörigen, die alle unangemeldet als spontande Demonstration von statten gingen wurden von Polizei begleitet. Trotz Schneefalls interessierten sich viele PassantInnen in Kreuzberg für die Situation der baskischen Gefangenen.
Anschließend wurden die KurdInnen besucht, und sich über die Situation der Gefangenen und Ermordeten auszutauschen, und wie man gemeinsam solidarisch für die Freiheit der Gefangenen eintreten kann.
In den folgenden Tagen sind noch weitere spontane Kundgebungen in ganz Berlin geplant.
Wer sich mit den Angehörigen solidarisieren will, kann uns im Thomas-Weißbecker-Haus, Wilhelmstr. 9 erreichen, heute um 19 Uhr und am Donnerstag um 19 Uhr gibt es Infoveranstaltungen der Angehörigen incl. Film im Mehringhof.
FREIHEIT FÜR ALLE POLITISCHEN GEFANGENEN!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!
Baskenprotest europaweit
Hungerstreik in sieben Städten aus Solidarität mit Gefangenen
In sieben europäischen Städten sind mehr als hundert Basken in den Hungerstreik getreten. Sie fordern, 700 in Spanien inhaftierte baskische Gefangene sollten in baskische Gefängnisse verlegt werden. Viele der Häftlinge werden der Terrorgruppe ETA zugerechnet.
VON PETER NOWAK
Berlin · 6. Januar · In Berlin sind es 27 Basken, die seit Montag fünf Tage lang protestieren. Außerdem beteiligen sich Basken in Barcelona, Brüssel, Genf, Mailand, Kopenhagen und Paris an den befristeten Hungerstreiks auf Initiative der baskischen Angehörigenorganisation Etxerat.
Der Sprecher der Berliner Hungerstreikgruppe, Jon Azna, bezeichnet die Aktion als "Reaktion auf den Ausnahmezustand, den der spanische und französische Staat über das Baskenland verhängt hat". Er wirft Madrid eine Politik der Härte im Baskenland vor: Wiederholt seien Zeitungen und Jugendgruppen verboten worden.
In der Verteilung von 700 baskischen Gefangenen auf Haftanstalten in ganz Spanien und in Frankreich sehen die Hungerstreikenden eine Politik des Auseinanderdividierens. Mit der Forderung nach Verlegung ins Baskenland "befinden wir uns in Übereinstimmung mit Erklärungen der UN sowie des Europäischen und des baskischen Parlaments", betonen sie. Dort werde wird das Recht von Gefangenen betont, Kontakt zu Angehörigen und Freunden zu halten.
Zur Frage, wie sie zu den Anschlägen der ETA stehen, zu der viele der Gefangenen gezählt werden, sagt Anza: "Madrid spricht vom Schlag gegen den ETA-Terrorismus. Doch in Wirklichkeit geraten alle ins Visier, die für die Unabhängigkeit sind."
Aktion der BaskInnen in Berlin
Europaweit sind in mehreren Großstädten Delegationen von Angehörigen und ehemaligen Gefangenen gereist um dort mit Hungerstreik-Aktionstagen Öffentlichkeit für die Situation der ca. 700 baskischen Gefangenen herzustellen.
In Berlin setzen die BaskInnen ihre spontanen Kundgebungen fort und organisierten Go-Ins in Presse+TV-Gebäuden.
Die BaskInnen zogen sich a la Tute Bianche (Italien) weiße Overalls über mit dem Text "Baskische Gefangene ins Baskenland!" (Diese Forderung erklären wir weiter unten). Dann gings los mit baskischen und roten Fahnen und Amnistia-Fahnen als auch Transpis mit den Forderungen "Freiheit für die Gefangenen aus dem Baskenland" durch die Friedrichstraße.
Überall wurden Flugblätter mit Informationen, Zahlen, Daten über die Situation der baskischen Gefangenen an die erstaunten PassantInnen verteilt.
Dieser Tag stand unter dem Motto: Wenn die Presse nicht zu uns kommt, gehen wir zu ihr.
Erster Zwischenstopp war das Gebäude der Zeitung "taz", welches schon einmal von StudentInnen besetzt wurde, in das ein Go-In veranstaltet wurde.
Im Gebäude wurde gefordert, eine/n zuständigen RedakteurIn zu sprechen, da man sonst ähnlich der StudentInnen das Gebäude besetzen müsse.
Die tazlerInnen waren erst reichlich genervt, denn es könne doch nicht sein, daß nun alle zum besetzen kommen, um ihren Artikel durchzudrücken.
So manche MitarbeiterInnen flüsterten sich zu "Oh nein, schon wieder eine Besetzung - die Basken dieses mal."
Im Gebäude wurden Flugblätter an die MitarbeiterInnen verteilt - die Chefredakteurin der taz versprach aber dann sich darum zu bemühen, daß etwas zum Hungerstreik der BaskInnen in Berlin erscheinen werde, und ein Live-Interview wurde vereinbahrt.
Da wir noch weitere "Presse-Termine" hatten, gingen wir dann, draußen wurde noch das Transpi für die Freiheit der Gefangenen entrollt und sich mit Parolen verabschiedet.
Es ging weiter zum Checkpoint Charlie wo wir uns alle versammelten für ein Foto - die erstaunten TouristInnen lernten einmal mehr das bunte Berlin kennen.
Das nächste Go-In mit zeitweiliger Blockade des Einganges wurde beim NTV-Gebäude in der Taubenstraße organisiert. Durch einen Fehler eines Mitarbeiters des NTV war die Tür öffen, so daß eine Delegation der baskischen Angehörigen in das Gebäude gelangen konnt.
Es wurde gefordert, den Chefredakteur zu sprechen...
Der war nach ca. 15 Minuten endlich aus seiner Besprechung gekommen und setzte sich mit uns zusammen. Er versprach uns für einen Report auf
NTV einen Reporter zu schicken als auch etwas kurzes im Sender unterzubringen. Ebenfalls er wurde über die desolate Menschenrechtssituation für baskische Gefangene und baskische Bevölkerung aufgeklärt und darüber, daß im Baskenland zur Zeit zahlreiche baskischsprachige Medien durch die spanische Regierung dichtgemacht und kriminalisiert worden sind und zahlreiche JournalistInnen im Knast gelandet sind.
Weiter gings danach zum ZDF-Gebäude in der Friedrichstraße.
Auf dem Weg dahin versammelten wir uns wieder mit Amnistia-Fahnen, Roten und Baskischen Fahnen und Transpis für eine weitere Foto-Session vor der US-Botschaft.
Erst ab diesem Zeitpunkt wurde die deutsche Polizei auf uns aufmerksam und lies die erste Wanne heranfahren. Jedoch ging es dann rasch weiter zumn ZDF-Gebäude wo sofort in den Innenraum vorgedrungen wurde, und sich die Polizei außerhalb ersteinmal beraten mußte.
Als wir beim ZDF ankamen meinte der Pförtner schon hektsich, daß man bescheid wisse, er schon telefoniert habe, und eine Redakteurin sofort herunterkommen wolle, um einen Termin mit den BaskInnen zu vereinbahren.
Dies geschah dann auch - aber die Polizei rückte trotzdem weiter an und mehrere Polizeiwannen fuhren auf.
Polizei rückte ein und versuchte uns eine erste Aufklärung darüber zu geben, daß es in Deutschland verboten ist, Fahnen und Transparente in der Öffentlichkeit ohne Anmeldung zu tragen... weil dies sonst eine Demonstration sei.
Zu guter letzt, nachdem wir einen Termin mit der Redakteurin vereinbahrt hatten, konnten wir dann nur nach draußen gehen mit dem Kompromiss wenigstens die Fahnen einzurollen.
Wir entschwanden durch den Hinterausgang.
Hektisch mußte die Polizei um das Gebäude herumrasen, um uns dann bis zur U-Bahn zu begleiten.
Wieder im Thomas-Weißbecker-Haus angelangt gab es kaum Pause für die Baskischen Angehörigen, denn mittlerweile begannen StudentInnen die in der Nähe gelegene SPD-Zentrale zu besetzen.
Auch die BaskInnen wollten sich mit dem Streik der StudentInnen solidarisieren und so begaben wir uns vor das SPD-Gebäude mit unseren baskischen, roten und Amnistia-Fahnen.
Zahlreiche StudentInnen wunderten sich über die Fahnen und fragten sich, ob die Zapatisten da wären, abermals wurden Flugblätter über die Situation im Baskenland verteilt. Die meisten StudentInnen waren sehr interessiert am Thema Baskenland und konnten so direkt mit VertreterInnen aus dem Baskenland diskutieren.
Abends stand dann der Besuch eines Vereinsraumes von türkischen GenossInnen an, die sich in Berlin + europaweit seit 19 Tagen ebenfalls im Hungerstreik für die Freiheit ihrer Gefangenen befinden.
Die türkischen GenossInnen berichteten uns darüber, daß in Innsbruck und London die Hungerstreik-Zelte von Nazis angegriffen worden sind und in Brüssel und Berlin die Aufstellung eines Hungerstreik-Zeltes in der Öffentlichkeit bislang untersagt wurde. Ab dem 8. Januar jedoch haben sie endlich eine Genehmigung für den Aufbau eines Hungerstreik-Zeltes an der Amerika-Gedenkbibliothek erhalten - also nur einige hundert Meter vom Thomas-Weißbecker-Haus entfernt, in dem die BaskInnen ihren Hungerstreik führen. Im Verein der türkischen Linken wurden den BaskInnen noch Video-Dokumentationen vom Massaker an türkischen Gefangenen 2000 vorgeführt, anschließend versicherte man sich der gegenseitigen Unterstützung im gemeinsamen Kampf für Menschenrechte und die Freiheit der politischen Gefangenen.
Neben der Forderung nach Freiheit der politischen Gefangenen (Amnestie) fordern die baskischen Angehörigen immer wieder die Verlegung aller baskischen Gefangenen ins Baskenland (baskisch: euskal presoak - euskal herria).
Hintergrund ist der, daß die ca. 700 baskischen Gefangenen zum großen Teil weit versteut in Frankreich und Spanien und über 1000 km entfernt vom zuhause der Angehörigen und Familien eingeknastet werden. So ist es für viele Angehörige ökonomisch oft nicht aushaltbar, jedesmal zu einem Besuch des Gefangenen für 20 min Tausende Kilometer herumzufahren, und mit einmal auch vor verschlossenen Toren zu stehen und umsonst hergefahren zu sein.
Des weiteren gibt es bereits ca. 54 Auto-Unfälle von Angehörigen auf ihrem Weg zum Gefängnis. Eine weitere Schikane stellt auch die Methode der Behörden dar, die baskischen Gefangenen immer wieder tausende von Kilometer weit weg in andere Knäste zu verlegen.
PRESOAK KALERA - AMNISTIA OSOA!
(Gefangene auf die Straße - Amnestie sofort!
HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!
Protest auf baskisch in Berlin, 8.1.
Der Protest der hungerstreikenden BaskInnen in Berlin - wie in weiteren europäischen Großstädten - ging auf vollen Touren weiter.
Go Ins und Kundgebungen wurden am 8.1. fortgesetzt.
Vormittags gings los: die baskischen Angehörigen und SympatisantInnen aus Berlin gingen mit Fahnen, Transparenten und einem Geschenk in Richtung Amerika-Gedenk-Bibliothek, weil dort türkische GenossInnen ihren Hungerstreik, der ebenfalls in zahlreichen europäischen Städten aus Protest gegen Isolationshaft und in Erinnerung der Massaker an türkischen Gefangenen 2000, organisieren wollen.
Zuserst einmal überreichten die baskischen Hungerstreikenden den türkischen GenossInnen eine Petrolium-Lampe, die im Baskenland das Symbol der Gefangenenorganisation "Senideak" ist. Bei Übergabe des Geschenkes wurde angemahnt, daß das Feuer dieser Lampe niemals auszugehen habe, damit der Kampf für die Freiheit der politischen Gefangenen weitergehe.
Nachdem an die zahlreichen PassantInnen gemeinsam Flugblätter zur Situation der baskischen Gefangenen verteilt wurden, baute man gemeinsam mit den türkischen GenossInnen das Hungerstreikzelt auf.
Kurz danach ging es schon zur nächsten Aktion... zum Rosa-Luxemburg-Platz.
Dort wurden, nachdem der sich weigernde Sicherheitstyp im Eingangsbereich des PDS-Karl-Liebknecht-Hauses beiseite geschoben werden mußte, mehrere Büros der PDS-Bundesgeschäftsleitung besetzt.
Die anwesenden PDSler fühlten sich - zu Recht - an die vor kurzer Zeit stattgefundene Besetzungsaktion der StudentInnen erinnert.
Im oberen Stockwerk wurde flugs die Ikurina (baskische Fahne), die "Presoak-Kalera"-Fahne und ein Transparent zur Freilassung der baskischen Gefangenen heruntergelassen.
Nach langem Hin und Her wurden endlich die Herren der Bundesgeschäftsstelle, die Internationalismus- und die Außenpolitik-Abteilung herbeigetrommelt, nachdem klar wurde, das die baskischen GenossInnen und Solidaritätsgruppen aus Berlin sich nicht abwimmeln lassen würden und lieber über Nacht bleiben würden.
Herbeigefahrene Polizeiwannen und PKWs zogen nach einiger Zeit wieder ab, nachdem die PDS signalisierte, daß sie sich gerne anhören wolle, was die Delegation der baskischen Angehörigen zu erzählen hätten.
Es wurde über die Menschenrechtssituation im Baskenland und die Situation der über 700 politischen Gefangenen informiert - das Baskenland hat etwas weniger EinwohnerInnen als Berlin, in Berlin würden im Vergleich ca. 800 politische Gefangene einsitzen müssen, um diese Relation zu begreifen.
Zahlreiche Presse rauschte nun an, um etwas vom Protest auf baskischer Art mitzubekommen...
Nach der PDS-Besetzungsaktion ging es weiter zu einem Kongress des Instituts für Menschenrechte an dem Amnesty Internatialn und einige PolitikerInnen beteiligt waren. Auch hier mußte sich ersteinmal gegenüber dem Pförtner durchgesetzt werden, drinnen war es dann mehr oder weniger kein Problem, das Rederecht für 30 Minuten auf dem Podium zu erlangen um über die Menschenrechtssituation für die baskische Gesellschaft und den baskischen politischen Gefangenen zu informieren.